Das Vürstchen – die vegetarische Wurst

Die CDU aus Niedersachsen schlägt vor, vegetarische Würstchen nicht mehr Würstchen zu nennen. Per Dekret. Nun, was die CDU aus Niedersachsen nicht weiß:

Ein Fachbegriff für die vegetarische Wurst existiert bereits seit der Ölkrise in 1973. Die starke Erhöhung der Preise für Rohöl gefährdete auch die Versorgung der Bevölkerung mit Wurst. Man war gezwungen, auf Fleischersatzmaterialien auszuweichen, wie z.B. Sägespäne, Reismehl und natürlich auch Tofu. Man beschloss damals, diese vegetarischen Würstchen nicht mehr unter dem Etikett der ordinären Wurst in den Auslagen anzupreisen, um eine Verwirrung der Verbraucher zu vermeiden. Ein 12-köpfiges Expertengremium, dem auch der damalige Ernährungsminister Josef Ertl (FDP) beisaß, beschloss in einer 14-stündigen Sitzung, dass vegetarische Wurst ab dem 1.1.1974 nur noch unter dem Titel “Vurst” (Singular) bzw. “Vürstchen” (Plural) angeboten werden darf. Mit diesem Beschluss ging übrigens die Einführung vieler anderer Fachbegriffe einher. Fachgeschäfte, die sich auf den Vertrieb vegetarischer Würste spezialisierten trugen nunmehr den Namen “Vleischerei”. Außerdem wurde offiziell der Ausbildungsberuf des bzw. der  Vurstvachverkäufer/in eingeführt.

Bis heute lassen sich diese Begriffe leider nicht im Duden wiederfinden, was auch der Grund sein dürfte, warum die CDU nun erneut eine Umbenennung anstrengen möchte. Die Erklärung ist einfach: Der Dachverband der Fürsten bemängelte damals, kurz nachdem die Begriffseinführung in Kraft trat, dass Vürstchen leicht mit der offiziellen Bezeichnung für den jungen Nachwuchs der Fürsten verwechselt werden konnten:  Dem Fürstchen.

Auf zur nächsten Vürstchenparty!