Talent
Das Gesangstalent wurde mir in die Wiege gelegt, als ich in eben jener - mutterseelenallein - an einer Haltestelle auf den Bus wartete, ohne mein Ziel überhaupt zu kennen. So verdiente ich mir meine Fahrkarte. So war es damals üblich.
Ich nahm es zwar an, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, doch nur um das Talent sogleich in braunem Speckpapier eingewickelt in einem Ofen genüsslich zu garen und es später unter dem frierenden Bedürftigen zu verteilen. So kam es also dazu, dass eine ganze Stadt ob ihrer singenden Bewohner weltberühmt wurde.
Später begann ich damit, das Talent auch in Dosen zu verteilen. Ich ging durch die Straßen, langte mit einem großen, braunen Holzlöffel beherzt hinein. Schmatzend stob ich durch die deftige Melange aus bunten Tönen und akkustischen Anweisungen und verteilte dann Löffel für Löffel in die hungrigen Münder der geifernden Umstehenden, die sogleich damit begannen, in schillerenden Arien das Wunder der Existenz zu besingen.